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Christoph Sebastian

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Nir Shauloff, Jan Philipp Stange

Christoph Sebastian

Combina

In dieser Saison ergründet die Ruhrtriennale Schöpfungsmythen, spürt der Kraft der Geschichte und Erinnerung nach und steigt herab zu Ursprüngen und Urängsten. „Unter Welten“ umfasst all das. Im Rahmen der Campustriennale Masterclass erhalten drei junge Theaterkollektive – ausgewählt aus 200 Bewerbungen aus aller Welt – die Möglichkeit, ein eigenes Projekt zu diesem Themenkreis unter professioneller Unterstützung zu entwickeln. Die Uraufführungen sind zu erleben an einem langen Theaterabend, der drei verschiedene Städte und Orte miteinander verbindet. Ein Trip „Unter Welten“ mit der Theatergeneration von morgen.

Der israelische Theatermacher Nir Shauloff und der deutsche Performer und Regisseur Jan Philipp Stange nahmen 2012 als Studierende am Vorgängerprogramm der Campustriennale, dem Internationalen Festivalcampus der Ruhrtriennale, teil. Ihre Performance „Combina“ nimmt ihren Ausgangspunkt am deutsch-israelischen Verhältnis: Das sei in der Überwindung der Vergangenheit so sehr auf Konsens ausgerichtet, dass Zweifel, kritische Fragen oder Fehlschläge unterdrückt würden. Also machen Shauloff/Stange das Theater zum Möglichkeitsraum des Scheiterns. Ein interkultureller Dialog ohne Scheuklappen, ohne Garantien, ohne Netz und doppelten Boden.

© Sagie Azoulay

Im Jahr 2015 begehen Deutschland und Israel das 50-jährige Jubiläum der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen. Der Dialog zwischen beiden Ländern und Kulturen, überschattet von einer gemeinsamen Erinnerung an die Geschichte, ist nach Ansicht des Performancekollektivs Shauloff/Stange seit den 1960er Jahren von politischen Interessen und Ideologien geprägt. Dabei sei das Verhältnis zwischen Deutschland und Israel wie jede kulturelle Verbindung von einem vielschichtigen Unter- oder Unbewusstem bestimmt. Im offiziellen Dialog würden bestimmte Aspekte gezielt ausgeklammert oder unterdrückt: „Das erklärte Ziel eines gemeinschaftlichen Siegs über die Vergangenheit lässt kaum Raum für Störungen. Deutsch-israelische Politik zielt auf ständigen Konsens ab und klammert dadurch unfreiwillig Nachfragen und Zweifel aus.“

Die Künstler wollen mit ihrer Aufführung „Combina“ danach fragen, wie man einen Raum auch für Misserfolg schaffen kann. Einen Raum für Fehler, einen Raum für das Vergessen. Für Fragen und Antworten, die unterhalb der einen Welt liegen, die sonst nur gezeigt wird. Indem die „Oberwelt“ unterhöhlt wird, gelangt man unter die Oberfläche. Das Theater ist genau dieser Möglichkeitsraum. Eine deutsch-israelische Gemeinschaft, aus zwei Kulturen, in drei Sprachen, mit einem Ziel. Geht das gut?

Mit dem Projekt „Combina“ setzen die beiden Regisseure und Performer Nir Shauloff und Jan Philipp Stange ihre 2012 gestartete künstlerische Zusammenarbeit fort. Damals nahmen sie (im Folgejahr 2013 auch zusammen mit Adi Chawin) am Internationalen Festivalcampus der Ruhrtriennale teil. Im Verlauf ihres theoretischen und künstlerischen Austauschs haben die Künstler sowohl einen politischen wie auch künstlerischen israelisch-deutschen Dialog untereinander aufgebaut. Ihre neuste Arbeit geht aus dieser kulturellen Begegnung hervor und reflektiert sie gleichzeitig.