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Christoph Sebastian

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Jens Bouttery, Daan Milius

Christoph Sebastian

Triggers and Tresholds – THE BLOGPERA

In dieser Saison ergründet die Ruhrtriennale Schöpfungsmythen, spürt der Kraft der Geschichte und Erinnerung nach und steigt herab zu Ursprüngen und Urängsten. „Unter Welten“ umfasst all das. Im Rahmen der Campustriennale Masterclass erhalten drei junge Theaterkollektive – ausgewählt aus 200 Bewerbungen aus aller Welt – die Möglichkeit, ein eigenes Projekt zu diesem Themenkreis unter professioneller Unterstützung zu entwickeln. Die Uraufführungen sind zu erleben an einem langen Theaterabend, der drei verschiedene Städte und Orte miteinander verbindet. Ein Trip „Unter Welten“ mit der Theatergeneration von morgen.

Das niederländisch-belgische Künstlerkollektiv Jens Maurits Orchestra arbeitet an der Schnittstelle von Musikkomposition, Installation und Dokumentartheater. „Triggers and Thresholds – THE BLOGPERA“ ist eine Weiterentwicklung eines Projekts von 2014. Mit einer eigens gebauten 20-Spur-Endlostonband-Maschine werden während der Aufführung Geräusche, Klänge, Text- und Sprachzitate sowie musikalische Neukompositionen verknüpft. Ein Videoblog, in dem Experten den Ursprüngen unserer Musikkultur nachgehen, wird in Form von „Informationsnuggets“ genauso eingespeist wie Reaktionen des Publikums. Eine interaktive Blog-Oper für Zuhörer und Zuschauer, live und on tape.

Jens Maurits Orchestra (Jens Bouttery, Daan Milius, Lucas Kramer, Dorian Dumont) © Silvano Magnone

Eine Blogpera, was kann das sein? Eine Kreuzung aus Internetblog und Oper! Das belgisch-niederländische Kollektiv Jens Maurits Orchestra stellt sich die Frage: Welche Prozesse liegen eigentlich der Entstehung von Musik zugrunde? Warum musizieren Menschen, wo liegen die Ursprünge unserer Musikkultur? – Wissenschaftler verbinden das Entstehen von Musik mit der Entstehung sozialer Strukturen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Erinnerungsvermögen.

Im Jahr 2014 entwickelte das Jens Maurits Orchestra das Projekt „Triggers and Thresholds“. Im Dialog mit Wissenschaftlern trugen die Künstler Informationen zusammen. Sie erfuhren, wie Musizieren Endorphine freisetzt und Gemeinschaftsgefühl erzeugt und durch welchen Prozess – sie sprechen von Auslösern und Schwellenwerten („triggers and thresholds“) – Musik lebendig wird. Sie entwickelten eine „Memory Machine“, eine Apparatur mit 20-Spur-Endlostonbändern, die Geräusche während der Aufführung aufnehmen und wiedergeben kann.

Viele Hypothesen und Mythen, die sie nicht berücksichtigen konnten, flossen darauf in einen Internetblog ein. Der Blog steht jetzt am Anfang der Weiterentwicklung „Triggers and Thresholds – THE BLOGPERA“. Der Blog soll im Rahmen der Campustriennale Masterclass ausgebaut werden und wie eine Mine „Informationsnuggets“ in die Inszenierung einspeisen. Neue Videointerviews, u. a. mit Anthropologen, erweitern das Spektrum. Die Bandmaschine soll die Informationen zu einem multi-akustischen kollektiven Bewusstsein live und „on tape“ miteinander verbinden. Hinzu kommen Neukompositionen von Jens Bouttery.

Jede Aufführung von „Triggers and Thresholds – THE BLOGPERA“ wird ein bisschen anders sein. Sie folgt einer offenen Struktur, Kapitel und Elemente können getauscht werden und sich verändern. Und: Mit je mehr Menschen das Jens Maurits Orchestra musiziert, umso mehr Endorphine werden freigesetzt – bei allen. Eine Blog-Oper für 20-Spur-Gerät, Piano, Video, Live-Publikum und einen Bildschirmschoner.

Das Jens Maurits Orchestra wurde begründet vom Schlagzeuger, Komponist und Performer Jens Bouttery und dem Filmemacher und Dramaturg Daan Milius. Die künstlerischen Ansätze des Kollektivs könnte man als Doku-Musiktheater beschreiben. 2011 entstand im Rahmen eines Uni-Abschlussprojekts die Aufführung „The Dubtapes“, ein Musiktheaterstück, das voraufgezeichnete Musikerinterviews mit Live-Improvisationen beantwortete und mit dem Toots Thielemans Jazzpreis ausgezeichnet wurde.