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Prometeo

Luigi Nono, Ingo Metzmacher
André Richard, Eva Veronica Born

Musiktheater/Neuproduktion

Luigi Nono hat „Prometeo“ als eine „Tragedia dell‘ascolto“ bezeichnet. Die „Tragödie des Hörens“ spielt sich nicht auf dem Podium, sondern im Ohr des Zuhörers ab. Der avantgardistische italienische Komponist bezog sich in seiner dritten und letzten Oper auf den griechischen Mythos von Prometheus, der den Göttern das Feuer stahl, um es den Menschen zu geben, und dafür von Zeus bestraft wurde, indem er jahrhundertelang an einen Felsen angekettet wurde. Die Figur des Prometheus ist Symbol für Fortschritt, Erneuerung und Revolution. Für Nono war Prometheus aber vor allem ein rastloser Suchender, ein „Wanderer“, der sich aufmacht, ohne zu wissen, wohin. Nono ließ sich von einem Satz inspirieren, den er in Toledo auf der Wand eines Klosters las: „Wanderer, es gibt keine Wege, es gibt nur das Gehen.“

"Umgesetzt wird die hochkomplexe Partitur bei der Ruhrtriennale nämlich umwerfend: mustergültig präzise und anrührend schön. Das ist vor allem ein Verdienst des erstklassigen Kammerchors "Schola Heidelberg" und des "Ensemble Modern Orchestra" unter der Gesamt- Leitung des Weltklassedirigenten Ingo Metzmacher, der Nonos "Prometeo" offenbar kennt wie seine Westentasche."

Die Rheinische Post Duisburg, 10.09.2015

Nono macht aus der Tragödie des Prometheus ein akustisches Labyrinth, in dem der Klang aus jeder Richtung kommen kann. Er stellt um das Publikum herum vier Orchester, die Instrumental- und Vokalsolisten sowie einen Chor auf. Der von den Musikern erzeugte Klang wird live elektronisch manipuliert. „Prometeo“ kommt in einem herkömmlichen Opernhaus nicht zur Geltung. In der Kraftzentrale entsteht eine beeindruckende Installation, bei der der Besucher sich vollständig auf das Hören konzentrieren kann – ganz im Sinne Luigi Nonos, der gegen Ende seines Lebens „gutes Hören“ als eigene politische Handlung betrachtete. Der Wahrnehmungsraum verweist zugleich auf die Geschichte der früheren Industriehalle und auf die Menschen, die dort gearbeitet haben. In der Kraftzentrale kann sich „Prometeo“ zu einem offenen Labyrinth entwickeln, in dem der Zuhörer sich suchend einen Weg bahnt. Für Nono konnte die Kraft der Musik ebenso groß wie die einer revolutionären Tat sein.

Besetzung/ Mitwirkende

(c) Wonge Bergmann

(c) Wonge Bergmann

(c) Wonge Bergmann