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Hoch-Zeit | Die Zukunft den Arbeitslosen! Sieg oder Niederlage einer Gesellschaft ohne Arbeit

Festspielrede zur Eröffnung
der Ruhrtriennale 2015: Hoch-Zeit

Die Zeit von heute ist Arbeitszeit. Die Arbeitszeit hat sich totalisiert. Sie bestimmt unser Leben in allen erdenklichen Bereichen. Was sie ausmacht: Die Arbeitszeit ist eine Zeit, die sich beschleunigen lässt. Dieser Arbeitszeit möchte der viel diskutierte Philosoph Byung-Chul Han in seiner Festspielrede zur Eröffnung der Ruhrtriennale 2015 eine ganz andere Zeit, eine ganz andere Lebensform entgegensetzen. Er nennt sie die Hoch-Zeit, die eine Zeit des Festes ist.

Festspielredner Byung-Chul Han © S. Fischer Verlag

Gemeinsam mit der Kulturstiftung des Bundes eröffnet die Ruhrtriennale zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals ihre Saison mit einer Festspielrede. Wir freuen uns, mit Byung-Chul Han einen der profiliertesten Denker unserer Zeit hierfür gewonnen zu haben. Seine Aufsätze zur „Müdigkeitsgesellschaft“ und zur „Transparenzgesellschaft“ sorgten international für Aufsehen und beeinflussen aktuelle gesellschaftliche Debatten. Für die Ruhrtriennale wird er über den Zusammenhang zwischen Kunst und Hoch-Zeit, zwischen Kunst, Fest und Leben nachdenken.

Debatte zur Eröffnung: Die Zukunft den Arbeitslosen!
Sieg oder Niederlage einer Gesellschaft ohne Arbeit

Für die einen ist es das Modell der Zukunft, für die anderen das Schlimmste, was ihnen passieren kann: ein Leben ohne Arbeit. Fakt ist, es verändert sich etwas. Globalisierung und De-Industrialisierung verwandeln unsere Gesellschaft. Nicht nur im Ruhrgebiet, aber hier besonders deutlich zu bemerken. Opel-Schließung, Nokia-Abwanderung, Bergbau-Ende. Zurück bleiben Menschen, die einst der Arbeiterstolz des Landes waren und heute aussortiert werden. Wie geht unsere Gesellschaft um mit jenen, die scheinbar zu nichts mehr gebraucht werden?

Andererseits: Der Wohlstand unseres Landes kann heute dank Produktivitätssteigerung durch ein Minimum an menschlicher Arbeit gesichert werden. „Genau betrachtet“, befand der zu Jahresbeginn verstorbene Soziologe Ulrich Beck, „ist Arbeitslosigkeit ja keine Niederlage, sondern ein Sieg.“ Das würde bedeuten, dass wir heute in der Lage wären, das Lebensmodell von Pasolinis Antiheld Accattone zu verwirklichen: Ich arbeite NICHT, also bin ich. Erwerbsarbeit als einziger Sinnstifter unserer Existenz wird abgelehnt und abgelegt. Endlich. Oder zwangsläufig. Doch was kommt dann?

Moderatorin der Eröffnungsdebatte Bettina Böttinger © WDR

Mit Bettina Böttinger diskutieren: Alix Faßmann, Gründerin „Haus Bartleby, Zentrum für Karriereverweigerung“; Garrelt Duin, Minister für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk NRW; Prof. Dr. Heinz-Josef Bontrup, Volkswirt Westfälische Hochschule und Mitglied Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik; Eyüp Yildiz, Erster stellvertretender Bürgermeister Dinslaken; Rainer Einenkel, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender Opel-Bochum.