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Installation/Neue Arbeiten

In diesen Läden und Schaufenstern liegen keine Waren mehr aus. Hier wird nicht verkauft, sondern eher der Mangel verwaltet. Doch damit ist jetzt Schluss. Die Ruhrtriennale macht leer stehende Schaufenster zu neuen Kunsträumen; verwaiste Ladenlokale werden zu Galerien auf Zeit. Verteilt über die Städte Bochum, Dinslaken und Duisburg zeigen junge Künstlerinnen und Künstler von renommierten Kunstakademien verschiedene Installationen, die eigens für die leeren Schaufenster entstanden sind. Jedes Werk ein Ausstellungsstück – unverkäuflich, unbezahlbar. Aber täglich zu besichtigen.

Lageplan Ausstellungsstück Duisburg © Ruhrriennale

Niko Abramidis & NE: „Crisp & Consulting“

Krusestraße 5, 47119 Duisburg

In der Ecke haben einmal Glücksspiele stattgefunden. Durch internationales Risikokapital sind wir jetzt noch kreativer geworden. Ich brauche willige Arbeiter, um mein Geschäftsmodell möglichst schnell umzusetzen, bevor die schwarzen Autos vor der Türe langsam vorbei rollen. Ganz einfach: Ich habe glitzernde Steine importiert, die immer Glück bringen, auch für nicht ganz lautere Geschäftspraktiken. Am liebsten arbeite ich in der Dämmerung. Die Geschäftsführung ergibt sich nach dem Schneeball-Prinzip. Um die Leistungsfähigkeit der Arbeiter zu steigern, stellen wir jetzt unsere eigenen Amphetamine her. Wir verzichten dabei auf künstliche Aromen und Zusatzstoffe. Wir sind auf Consulting Leistungen spezialisiert, die Früchte tragen Sie selbst. (Niko Abramidis & NE)

Niko Abramidis & NE: Crisp & Consulting © Heike Kandalowski
Niko Abramidis & NE: Crisp & Consulting © Heike Kandalowski
Niko Abramidis & NE: Crisp & Consulting © Heike Kandalowski
Niko Abramidis & NE: Crisp & Consulting © Heike Kandalowski
Niko Abramidis & NE: Crisp & Consulting © Heike Kandalowski
Niko Abramidis & NE: Crisp & Consulting © Heike Kandalowski

René Kersting: „Der Sockel“

Harmoniestraße 53, 47119 Duisburg

Die Fassade ist zugleich Erzeuger und Abbild ihrer Umgebung. Eine Fassade besteht aus drei Teilen. Sockel, Schaft und Abschluss. Der Sockel gehört der Öffentlichkeit. Er hat direkten Einfluss auf Wirkung und Entwicklung des Straßenraums und wird unvermeidlich ein Teil dessen. Er muss der Öffentlichkeit eine Leinwand bieten. So wird er zum Abbild des urbanen Raums. – Die Ausstellung „Der Sockel“ setzt sich in 80 Fotografien mit dem Sockel städtischer Fassaden auseinander. Sie dokumentiert und wirft dabei Fragen auf: Welche Bedeutung hat der Sockel für die Qualität einer Stadt? Welchen Einfluss hat die architektonische Gestaltung auf die Entwicklung des urbanen Raums? (René Kersting)

René Kersting: Der Sockel © Heike Kandalowski
René Kersting: Der Sockel © Heike Kandalowski
René Kersting: Der Sockel © Heike Kandalowski
René Kersting: Der Sockel © Heike Kandalowski

Anne Mahlow / Leander Ripchinsky: „Panda Imbiss“

Harmoniestraße 34a, 47119 Duisburg

– „Was kommt da jetzt rein?“
– „Das sollte abgerissen werden, dachte ich.“
– „Da gab’s die besten Pommes in ganz Ruhrort.“
– „Ich weiß zwar nicht, was das ist, aber viel Spaß.“
– „Wenn Sie da ‘nen Föhn drunter halten und das warm machen, geht das ab wie geschmiert.“
– „Das ist ja richtig archäologische Arbeit hier.“
– „Macht ihr’n neuen Laden auf?“
– „Ich dachte, ihr macht jetzt so auf Chinesen.“
– „Das wird leider untergehen: Ist einfach zu viel los in Ruhrort in nächster Zeit.“
– „Na das gab‘s ja auch schon, da war ich noch Kind... hat sich alles verändert.“
– „Da haben Sie aber noch viel zu tun.“
– „‘86 hat der Grieche das übernommen.“
– „Das war ‘ne ganz berühmte Pommesbude.“
– „Vom Kinderspielzeug bis zum Küchentopf gab’s hier alles.“
– „Erst kommt die Kreativität und dann geht’s los, plopp plopp plopp.“
– „Das sollte mal ‘ne Durchfahrt werden.“
– „Die ist schon seit 20 Jahren dicht.“
– „Macht ihr wieder auf?“
– „Wir zählen auf Sie!“
– „Da müssen Sie aber noch viel sauber machen bis Samstag.“
– „Schade. Schade ist das mit Ruhrort, wie runtergekommen das hier ist. Zehn Jahre dauert’s noch.“
– „Kunst? Naja, besser als gar nichts?“

Anne Mahlow & Leander Ripchinsky: Panda Imbiss © Heike Kandalowski
Anne Mahlow & Leander Ripchinsky: Panda Imbiss © Heike Kandalowski
Anne Mahlow & Leander Ripchinsky: Panda Imbiss © Heike Kandalowski

Philipp Reitsam: „Get off me you ‘mo“

Landwehrstraße 7, 47119 Duisburg

Die Arbeit befasst sich mit Elementen der Populär- und Subkultur – sozusagen mit den Unter-Welten unserer Gesellschaft – und richtet den Fokus auf eine besonders spannungsreiche Vereinigung: Die britische Fußballkultur ging in den späten 1980er beziehungsweise frühen 1990er Jahren eine Verbindung mit der Ravekultur ein. Auslöser hierfür waren Änderungen im Reglement des britischen Fußball, welche unter anderem zu einer Liberalisierung in der Trikot-Ordnung führten, sodass farbenfrohe Trikots – in Anlehnung an den Rave-Style – die britischen Stadien eroberten. Hooligans griffen schließlich Elemente der Ravekultur auf und schlossen sich nicht selten dieser Szene an. Durch diese Verschmelzung der Subkulturen kam es zu einer gewissen Bändigung des Hooliganimus. Das Thatcher-Regime ging dennoch mit Härte gegen die Szene vor. Den Tod von Margaret Thatcher nahmen die britischen Raver 2013 zum Anlass, um noch einmal Präsenz zu zeigen, also gleichsam „aufzutauchen“. Die grafischen Muster der Trainingsanzüge stellen eine Weiterentwicklung der Trikotmuster dar, der Schnitt stammt aus den späten 1980er Jahren. (Philipp Reitsam)

Philipp Reitsam: Get off me you ‘mo © Heike Kandalowski
Philipp Reitsam: Get off me you ‘mo © Heike Kandalowski
Philipp Reitsam: Get off me you ‘mo © Heike Kandalowski
Philipp Reitsam: Get off me you ‘mo © Heike Kandalowski

Und nach dem Projekt? – Die Ruhrtriennale möchte mit dem „Ausstellungsstück“ auch zur Belebung der Innenstädte als Orte der Begegnung und des gesellschaftlichen Miteinanders beitragen. Daher ist eine Nutzung der Leerstände auch nach dem Projektzeitraum wünschenswert. Interessenten für eine Nachmietung der Ladenlokale können sich an die Vertreter von Bochum Marketing GmbH, GFW Duisburg und Wirtschaftsförderung Dinslaken wenden.

Besetzung/ Mitwirkende