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tHe ReSt IS NoIse – eTaPPe 6 bOChUm

Eine gemeinsame Lesereihe der Ruhrtriennale mit dem Schauspiel Dortmund, Schauspiel Essen, Schauspielhaus Bochum, Schlosstheater Moers, Theater an der Ruhr, Theater Oberhausen sowie den Bochumer Symphonikern.

Etappe 6:
Versunkene Kathedralen – Musik am Ende des Jahrhunderts

Die Komposition am Ende des 20. Jahrhunderts folgt keinen klaren Strömungen mehr. Stile aller Art – Minimalismus, Postminimalismus, elektronische Musik, konkrete Musik, spektrale Musik, kosmische Musik, Laptop-Musik, Neue Komplexität, düstere Collagen und Anleihen bei Rock und Pop – drängen sich nebeneinander, keiner kann sich in den Vordergrund schieben. Während Hans Werner Henze mit seinen nervös-expressiven Opern von der Neue-Musik-Gemeinde als Abtrünniger betrachtet wird, hat auch Wolfgang Rihm allen Kompositionssystemen abgeschworen und zeigt keine Scheu, das romantische und expressionistische Erbe der deutschen Musik anzunehmen. Nach dem Tod Stockhausens, der die letzten 23 Jahre des 20. Jahrhunderts mit der Arbeit an seinem Monumentalzyklus „Licht“ verbrachte, fällt der Mantel historischer Größe auf Helmut Lachenmanns Schultern, Avantgardist der gnadenlosen Schule, der vertraute Instrumente zu ungewohnten Klängen zwingt. Der Niederländer und radikale Anarchist Louis Andriessen entwickelt eine emphatisch pulsierende, vom Pop geprägte Musiksprache. Und die Österreicherin Olga Neuwirth entführt uns nach den Worten von Elfriede Jelinek in ein „Spiegelkabinett der Klänge“ auf der Schwelle zum 21. Jahrhundert.

Der Weltbestseller „The Rest is Noise“ des amerikanischen Musikkritikers Alex Ross nimmt uns mit auf eine große, pulsierende Reise in das vergangene Jahrhundert. Eine Reise in das Labyrinth der neuen Musik und ihrer Verbindungen zu den sozialen und politischen Umstürzen des 20. Jahrhunderts. Im Titel klingen die letzten Worte Hamlets an („The rest is silence.“) und im weitesten Sinn das Vorurteil, dass neue Musik nur Lärm sei („noise“). Doch indem wir „das 20. Jahrhundert hören“, so der Untertitel des Buchs, erleben wir auch die Geschichte neu: die großen Persönlichkeiten, die schicksalhaften Veränderungen, die utopischen Träume von 1900 bis in die Gegenwart. Alex Ross führt uns ins Wien der Vorkriegszeit, ins Paris der 1920er Jahre, in Hitlers Deutschland und Stalins Russland. Wir entdecken die New Yorker City in den 1960ern und 1970ern und die futuristische Globalisierung vor der Jahrtausendwende. Das Resultat ist die Geschichte eines Jahrhunderts, erzählt von seiner Musik.

Die Ruhrtriennale wird ein halbes Jahr lang außerhalb der Festivalzeit Station machen in sechs Theatern der Region: im Schauspiel Dortmund, Schauspiel Essen, Schauspielhaus Bochum, Schlosstheater Moers, Theater an der Ruhr sowie im Theater Oberhausen. Die erste Zusammenarbeit der sechs Ruhrgebiets-Theater seit der Kulturhauptstadt RUHR.2010 ist gleichzeitig die erste Kooperation in dieser Form mit der Ruhrtriennale, unterstützt durch die Bochumer Symphoniker. Johan Simons erarbeitet mit seinem Dramaturgenteam sechs neue Etappen seiner erfolgreichen „The Rest is Noise“-Lesereihe, die ihren Anfang bei den Münchner Kammerspielen nahm. Im Ruhrgebiet findet „The Rest is Noise“ von November 2015 bis April 2016 einmal im Monat donnerstags in einem der beteiligten Theater statt. Es lesen die jeweiligen Schauspielensembles, musikalisch begleitet von Mitgliedern der Bochumer Symphoniker und dem Musiker Carl Oesterhelt. Regie führt der Intendant der Ruhrtriennale Johan Simons.

Eine literarisch-musikalische Etappenreise. Durchs Ruhrgebiet, durch die Welt und durch die Musik des 20. Jahrhunderts.

Alex Ross © David Michalek

Besetzung/ Mitwirkende

Piano - Sachiko Hara
Mit dem - Ensemble des Schauspielhaus Bochum
Bochumer Symphoniker
Dramaturgie - Vasco Boenisch

Die Leseabende der Münchner Kammerspiele basierten auf Lesefassungen von Matthias Günther, Julia Lochte, Tobias Staab, Koen Tachelet und Jeroen Versteele.